In einem Projekt wurden die Bohrlöcher zu "groß" gebohrt, welchen Einfluss kann dies auf die Befestigungssysteme haben ?
Je nach verwendetem Befestigungssystem kann ein übergroßes Bohrloch einen erheblichen oder weniger ausgeprägte Auswirkung auf die Steifigkeit und die Bruchlast des Dübels haben. Im speziellen ist die Auswirkung davon abhängig, wir groß das Bohrloch im Vergleich zu den vorgeschriebenen Durchmesser ausgeführt wurde. Prinzipiell verletzt ein übergroßes Bohrloch den Geltungsbereich der Zulassung bzw. des zugehörigen Bewertungsdokuments (ETA).
- Ein mechanischer Spreizdübel, z. B. der Hilti HST4, der in einem überdimensionierten Bohrloch installiert wird, kann sich während dem Aufbringen des Drehmoments in Bohrloch drehen, bevor das Installationsdrehmoment erreicht wird. Darüber hinaus hängt die Größe der Spreizkraft vom Grad der Spreizung der Hülse und damit vom Spalt zwischen dem Dübel und den Seiten des Bohrlochs ab. Ein Übergroßes Bohrloch kann in diesem Fall zu einer Reduktion der Widerstandswerte führen.
- Die anfängliche Spreizkraft eines vollständig eingebauten, weggesteuerten Dübels, z. B. Hilti HKD, erhöht sich nicht, wenn eine äußere Last eingeleitet wird, da der Dübel kein Nachspreizvermögen besitzt. Das Zugtragverhalten hängt somit wesentlich von der Tiefe der lokalen Verformung im Beton und damit wesentlich von den Bohrlochtoleranzen ab. Ein Übergroßes Bohrloch kann in diesem Fall zu einer Reduktion der Widerstandswerte führen.
- Bei Betonschrauben z.B. Hilti HUS4-H ist der Bohrlochdurchmesser auf die Geometrie der Schraube abgestimmt (Gewindehöhe), so dass sich das Gewinde in den Beton schneidet und die äußere Kraft durch diese formschlüssige Verbindung in den Beton übertragen werden kann. Bei einem übergroßen Bohrloch ist der Hinterschnitt der Gewindeflanken reduziert. Ein Übergroßes Bohrloch kann in diesem Fall zu einer Reduktion der Widerstandswerte führen.
- Bei Kunststoffdübeln, z.B. KUNSTSTOFF-RAHMENDÜBEL HRD-C, wird die Kunststoff- oder Ankerhülse beim Eindrehen der Schraube gespreizt. Beim Anziehen der Schraube drückt und schneidet diese ein Gewinde in den Kunststoff und spreizt gleichzeitig die Hülse gegen die Seite des Bohrlochs. Da der Kunststoff zu weich ist, um sich zu verformen oder mit dem Beton zu verzahnen, reagieren diese Dübel empfindlich auf alle Parameter, die den Anpressdruck verringern, wie z. B. der Bohrlochdurchmesser. Ein Übergroßes Bohrloch kann in diesem Fall zu einer Reduktion der Widerstandswerte führen.
- Im Allgemeinen sind Verbundankersysteme (Injektionssystem) wie z.B. INJEKTIONSMÖRTEL HIT-RE 500 V4 weniger empfindlich oder unempfindlich gegenüber übergroßen Bohrlöchern, da die Injektionssysteme eine ausreichende Menge an Mörtel liefern, um das Bohrloch ausreichend zu füllen. Es sollte beachtet werden, dass dies im Falle eines portionierten Verbundankerpatrone (z.B. VERBUNDANKERPATRONE HVU2) nicht der Fall sein kann und der Mörtel möglicherweise nicht ausreichend durchmischt wird und lokal nicht aushärtet.
- Bei Verbundspreizdübeln, wie z.B. ANKERSTANGE HIT-Z, kann es vorkommen, dass die erforderliche Kraft, die zum Aufbrechen der Verbindung zwischen dem Ankerelement und dem Mörtel erforderlich ist, um die Mörtelmasse zu spreizen und die Mörtelsegmente gegen die Seite des Bohrlochs zu spreizen, nicht erreicht wird.
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