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Baustellenversuche (On Site Testing)

Veröffentlicht von Florian Ofnerover 3 years ago
Baustellenversuche (On Site Testing)

Wie laufen Auszugsversuche von Dübeln ab (On Site Testing)?
Unter welchen Umständen werden Auszugsversuche durchgeführt?
Welche Informationen sind für den Versuch erforderlich?
Wie hoch ist die Belastung und der Umfang bei dem Versuch?

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1 Antwort
Veröffentlicht von Florian Ofnerover 3 years ago
Hilti verifiziert

Die Tragfähigkeit des Dübelsystems hängt maßgeblich vom vorhandenen Verankerungsgrund ab. In Europa existiert eine Vielzahl von unterschiedlichsten Mauersteinen, und es ist nicht möglich, Leistungsangaben für geeignete Dübelsysteme in allen Untergründen zur Verfügung zu stellen, sodass bei Mauersteinen, welche nicht in der ETA abgebildet sind, Prüfungen vor Ort notwendig sind. Für welche Mauerwerkssteine durch Laborversuche Tragfähigkeitswerte ermittelt wurden finden Sie im technischen Handbuch „Technisches Handbuch - Befestigungstechnik für Hoch- und Ingenieurbau“ - Ausgabe 2020.

 

Prüfungen vor Ort bzw. Baustellenversuche können aus zwei Gründen zum Einsatz kommen:

  1. Zur Bestimmung des Bemessungswiderstandes in einem ähnlichen, aber nicht identischen Material wie es in der entsprechenden ETA angegeben ist (zerstörend oder zerstörungsfrei).

  2. Zur Überprüfung der Qualität des Einbaus der auf der Baustelle verwendeten Dübel (Nachweisprüfungen, zerstörungsfrei).

 

Erforderliche Grundparameter für den Auszugsversuch:

  1. Name und Adresse des Bauvorhabens
  2. Kontaktdaten des Ansprechpartners auf der Baustelle
  3. Kontaktdaten des Ansprechpartners Tragwerksplanung
  4. Information über den Untergrund (Art des Mauerwerks bzw. des Betons, Untergrundstärke)
  5. Spezifikation des Hilti-Befestigungsmittels: Angaben zu Materialgüte, Länge, Durchmesser, Einbindetiefe und Injektionsmörtel (Hinweis: es werden ausschließlich Hilti-Produkte getestet)

 

Die europäisch technische Richtlinie EOTA TR 053 „Recommendations for job-site tests of metal injection anchors for use in masonry“ - Stand April 2016 legt fest, wie die Auszugsversuche von eingeklebten Ankerstangen im Mauerwerk durchzuführen sind.

 

Für Dübelsysteme werden drei verschiedene Arten der Baustellenversuche unterschieden:

  1. Bruchversuche: Die Versuchsdübel werden bis zum Versagen bzw. einer sichtbaren Verschiebung des Dübels belastet. Geprüfte Dübel dürfen nicht zur Befestigung verwendet werden.
  2. Probebelastungen: Die Versuchsdübel werden mit einer vordefinierten Prüfkraft belastet, und es darf während der Probebelastung bei keinem der Einzelversuche zu einem signifikanten Lastabfall kommen. Geprüfte Dübel dürfen nicht für die geplante Befestigung verwendet werden.
  3. Abnahmeversuche (nach technischen Regeln des DIBt „Durchführung und Auswertung von Versuchen am Bau für Injektionsankersysteme im Mauerwerk mit ETA nach EAD 330076-00-0604 bzw. nach ETAG 029“ - Stand: September 2019): Es wird mindestens ein Versuch als Bruchversuch bis zum Versagen oder als Probebelastung auf einem beliebigen Niveau durchgeführt. Dieser Dübel darf nicht für die geplante Befestigung verwendet werden. Alle weiteren Injektionsanker werden mit einer definierten Prüflast belastet und dürfen anschließend für die geplante Befestigung verwendet werden, sofern kein Lastabfall und keine Verschiebung auftreten.

 

Die Anzahl der Prüfanker und die erforderliche Prüfbelastung werden durch den/die Statiker/In bzw. den/die Prüfstatiker/In ingenieurmäßig bestimmt und für die Durchführung der Versuche bekanntgegeben.

 

Option 1:

Zerstörende Prüfung
TR 053 (3.2.2) - nTest = 5 bis 14 - (statistische Analyse)
Vorteil: nTest niedrig
Nachteile: niedriger Wert NRk bei hoher Variation der Prüflasten; Sicherheitsfaktor für Versuche hoch bei niedrigem nTest; zerstörtes Untergrundmaterial

TR 053 (3.2.2) - nTest ≥ 15 - (vereinfachte Analyse)
Vorteil: hoher Wert NRk bei hoher Variation der Prüflasten
Nachteile: nTest hoch; zerstörtes Untergrundmaterial

Option 2:
Zerstörungsfreie Prüfung
TR 053 (3.3.1) - nTest ≥ 15
Vorteil: Untergrundmaterial nicht zerstört
Nachteil: nTest hoch

 

Vorbereitung für die Belastungsversuche und Testaufbau:

  1. Die Prüfanker müssen vorab an verschiedenen repräsentativen Stellen, verteilt über das Gebäude gesetzt werden.
  2. Die Prüfanker müssen ca. 5-10 cm vom Untergrund, wo die Abstützung des Prüfgerätes erfolgt, herausragen.
  3. Sicherstellen, dass die Prüfanker zugänglich sind und das Gerät sich seitlich abstützen kann.
  4. Idealerweise werden die Prüfanker mindestens einen Tag vor Durchführung der Belastungsversuche bauseitig gesetzt. Hilti übernimmt nicht die Montage der Prüfanker. Diese sollen durch die ausführende Firma installiert werden, wodurch auch eine Überprüfung der Montagequalität erfolgen kann.


Auswertung und Beurteilung der Ergebnisse

Hilti übernimmt die Durchführung der Belastungsversuche sowie die Auswertung der Prüfergebnisse. Eine Beurteilung der Prüfergebnisse ist in unserer Leistung nicht inkludiert und sollte nach unserer Empfehlung nur durch eine/n befugte/n Statiker/In durchgeführt und freigegeben werden.

 

  • Dübel sollen auf die gleiche Weise (z.B. Bohrverfahren) und mit den gleichen Achs- und Randabständen getestet werden, wie die später verwendeten Dübel.
  • Versuchsergebnisse können gemäß TR053 den ETA Wert nicht übersteigen – für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte das Hilti Engineering.
  • Die Last während des Zugversuches muss so in das Mauerwerk eingeleitet werden, dass ein Ausbrechen des Mauerwerks nicht behindert wird; 150mm zw. Dübel und Prüfgerätefuß (HAT30).
  • Eine Prüfung der Quertragfähigkeit ist nicht möglich. Es kann auf Zuglast getestet und auf die zugehörige Querlast umgerechnet werden.

 

Kosten für Baustellenversuch (Stand Dezember 2023):

  1. Belastungsversuch < 30kN: 146€/Stunde
  2. Belastungsversuch < 180kN: 146€/Stunde
  3. Belastungsversuch Reisekosten: 57,70€
  4. Belastungsversuch tech. Dokumentation: 146€/Stunde

 

Der Aufwand für Versuche >30kN (also mit dem Prüfgerät HAT180) ist deutlich größer und es ist mit einem erhöhten Zeitaufwand zu rechnen.

Bei guter Zugänglichkeit und einer zu testenden Ankeranzahl von 15, kann im kleinen Lastbereich von 1-2h Zeitaufwand für die Versuchsdurchführung angenommen werden. Bei häufigen Ortswechseln (z.B. verschiedene Stockwerke, Abschnitte, …) oder schlechter Zugänglichkeit (z.B. über Steiggeräte, Leiter, Gerüst) oder sonstigen Erschwernissen kann der Zeitaufwand deutlich steigen.


Für eine ungefähre Abschätzung des Zeitaufwandes und bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail an at-technik@hilti.com.