Ein Werkzeug gegen den Fachkräftemangel

Wie Sie junge Menschen für Ihr Unternehmen begeistern

5 Auszubildende zeigen Daumen hoch

März 2020  I  4 Minuten  I  Unternehmen & Menschen

 

Volle Auftragsbücher, aber nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter: Das ist die Situation in vielen Unternehmen der Baubranche und des Handwerks. Aus einem Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2017 geht bereits hervor, dass die Quote der unbesetzten Stellen auf dem Bau immer höher steigt. Während es 2011 im Schnitt noch 1.4 Prozent waren, hat sich der Wert 2019 auf rund 3 Prozent verdoppelt. Durch fehlende Fachkompetenz leiden natürlich auch Qualität und Effizienz auf der Baustelle, was letztendlich einen Abwärtstrend in Gang bringt.

Doch es gibt Möglichkeiten, um dem Ganzen entgegenzuwirken. Ganz vorne steht dabei die Ausbildung im eigenen Betrieb. Die sinkenden Bewerberzahlen sehen auf den ersten Blick allerdings ebenfalls erschreckend aus. Wer sich also als Arbeitgeber auf diesem angespannten Markt behaupten will, muss sich optimal auf die Anforderungen der jungen Generation einstellen. Und das beginnt schon bei der Ansprache der potentiellen Auszubildenden.

Digital statt analog

Das Schild im Schaufenster oder die Zeitungsanzeige reichen heute nicht mehr aus. „Die Unternehmen müssen für Jugendliche im Internet sichtbar sein, mit einer Webseite oder in sozialen Netzwerken, und dabei ihre Alleinstellungsmerkmale hervorheben“, rät Florian Kaiser. Er leitet das Referat Bildungsberatung bei der IHK für München und Oberbayern. Sehr wichtig scheint nach wie vor aber auch der persönliche Kontakt, beispielsweise auf Jobmessen, zu sein. Hier solle man laut Kaiser am besten die eigenen Azubis einsetzen, um den Interessierten auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Im Hilti Werk im österreichischen Thüringen geht man sogar noch einen Schritt weiter. Ausbildungsleiter Daniel Bitschnau schickt Lehrlinge an die Schulen, um Schülerinnen und Schüler für technische Berufe zu begeistern. „Insgesamt kommen wir so auf rund 1200 Direktkontakte jährlich“, so Bitschnau. Hilti probiert es zusätzlich auf ungewöhnlichen Wegen wie Werbung im Schwimmbad oder im Fast-Food-Restaurant.

 

 

Wertschätzung ist das A und O

Durch positive Erfahrungsberichte von Auszubildenden hat sich Hannah Lohmann für die Ausbildung zur Industriekauffrau bei Hilti entschieden. Als Ferienarbeiterin hat sie einen guten Einblick in das Unternehmen bekommen und sich dann später beworben. Was ihr besonders auffällt: Sie wird beim Wechsel durch die Abteilungen immer freundlich aufgenommen und für ihre Arbeit wertgeschätzt. „In jedem Team gibt es außerdem sogenannte Lernpartner, die sich um die Azubis kümmern und dafür auch eine Schulung erhalten haben“, erklärt sie.

 

Hannah Lohmann lernt bei Hilti nicht nur alles Wichtige für ihren Beruf, sondern entwickelt sich durch Kurse zu Knigge oder gesunder Ernährung, interkulturelle Trainings und regelmäßigen Englisch-Unterricht auch persönlich weiter. Für Florian Kaiser von der IHK ist das ein klares Muss in der heutigen Zeit: „Es geht in der Ausbildung nicht mehr nur um das Vermitteln von Wissen, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung und individuelle Förderung.“ Ein Auslandsaufenthalt während der Lehre oder Austauschprogramme könnten dafür ebenso hilfreich sein und seien sehr beliebt bei Interessenten. Als internationales Unternehmen ist das für Hilti ein wichtiger Punkt. In einigen Abteilungen werden solche Programme deshalb bereits angeboten.

Es geht in der Ausbildung nicht nur um das Vermitteln von Wissen.

Natürlich müssen auch die Ausbildungsinhalte mit der Zeit gehen. Bei Hilti setzt man den Fokus deswegen ganz stark auf die Digitalisierung. Das beginnt schon damit, dass alle Auszubildenden einen Laptop bekommen und alle Lehrgänge digitalisiert sind. In Lernfabriken und Zukunftswerkstätten sollen in wenigen Jahren Lehrlinge aus allen Bereichen zusammenarbeiten und mit neuen Technologien experimentieren.

 

Soziale Verantwortung und nachhaltiges Handeln des Unternehmens entscheiden, wer bleiben möchte

Nach der Ausbildung möchte man die neuen Fachkräfte auch im eigenen Unternehmen behalten. „Dafür ist es wichtig, den jungen Leuten Perspektiven in der Firma bieten zu können“, sagt Andreas Freudling, Ausbildungsleiter am Hilti-Standort in Kaufering. Die Kultur innerhalb des Unternehmens und der Ruf der Firma stehen ebenso im Vordergrund. „Wir versuchen schon während der Ausbildung durch gemeinsame Aktionen die soziale Verantwortung zu stärken und wollen das noch weiter ausbauen“, sagt er. So helfen die Lehrlinge auch mal beim Bau einer Tribüne für einen Sportplatz mit, sind für einen Spielenachmittag im Altenheim oder unterstützen den Wiederaufbau noch immer brach liegender Dörfer in Bosnien.

 

„Junge Leute sind heute viel selbstbewusster und hinterfragen in Zeiten des Klimawandels zum Beispiel auch die Nachhaltigkeit des Arbeitgebers“, erklärt IHK-Experte Kaiser. Geld sei eben nicht mehr alles. Vielmehr würden die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und das Gefühl, Teil der Firmenfamilie zu sein, über den Verbleib entscheiden. Bei all den Tipps bringt es Daniel Bitschnau am Ende auf den Punkt: „Das beste Marketing für das eigene Unternehmen sind aber nach wie vor zufriedene Mitarbeiter und Auszubildende.“

 

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